Ute Siebert: Werkstoff und künstlerische Sprache

 

Die verwendeten Werkstoffe, die Technik und die künstlerische Idee bilden in meinen Arbeiten eine Einheit. Naturgewachsene Materialien wie Pflanzenfasern, Zellulose, Wolle und Bienenwachs haben für mich eine große Bedeutung, da sie mit der Kraft des Lebendigen aufgeladen sind.

 

Insbesondere die Werkgruppen Seelenorte, Behausungen und die Kokon-Serien, aber auch meine übrigen Objekte und Collagen zeigen eine enge Verbindung zwischen dem Menschlichen und der Natur. Meine Arbeiten nähern sich organischen Formen aus der Natur an, die als Metaphern für menschliches Empfinden und Aspekte des Seelenlebens dienen.

 

Seide und Wolle verwandele ich in Filz, ein Wärme ausstrahlendes Material, das durch seine Formbarkeit in meinen Objekten und Collagen unterschiedliche Gestalten annimmt: Umhüllung, Höhle, Hintergrund.

 

Die Kombination aus Filz und Bienenwachs, wie etwa im Werk "Future Thought" (siehe Seelenorte in der Galerie), ist gedanklichen Prozessen gewidmet, die noch nicht geboren sind. Bei den Bienen dient das Wachs als Baustoff für die Wiege einer neuen Generation. Der aus Wolle hergestellte Filz verkörpert einen Wärmespeicher, einen schützenden und versorgenden Nährboden für die Zukunft.

 

Die Raupe benötigt das Kokon zur Verwandlung in einen Schmetterling. Die Kokon-Form dient als künstlerische Sinnsprache für eine schützende Hülle, als notwendiges Zwischenstadium auf dem Weg in ein freieres, wacheres Bewusstsein. Erst durch den Gebrauch seiner Federn wird ein Vogel zum Wesen der Lüfte, zum Inbegriff der Freiheit. Die Vogelfedern sind ein Symbol für unsere luftigen freien Anteile, die wir oft zu fühlen und zu leben zögern. Im Kokon reifen sie und warten auf Ausbruch.

 

Die transparenten, aufgebrochenen Eierschalen dagegen erinnern an abgelegte Schichten und vergangene Aspekte unseres Selbsts. Sie verweisen auf einen stattgefunden Prozess der Ausreifung ("Incubation") und des Ausbrütens.

 

 

Ute Siebert: Kunst und Kreativität

 

Künstlerisches Schaffen bedeutet für mich Freiheit, innere Unabhängigkeit und Bewegtheit. Durch kreatives Arbeiten entstehen neue Ideen und Emotionen in Auseinandersetzung mit der sozialen Umwelt und den globalisierten Lebenszusammenhängen, in denen wir stehen. Kunst mit ihrer Macht der Inspiration, Innovation und Kreativität kann neue soziale Impulse geben.

 

Arbeiten aus Fasern aller Art und aus aller Welt faszinieren mich, weil durch die Beschaffenheit der Materialien eine sehr direkte emotionale Auseinandersetzung stattfindet. Der taktile Reiz, der von meinen Materialien ausgeht, löst unmittelbare Empfindungen aus: Wärme, Bewahrung, Umsorgung, Schutz, Rohes, Fragiles, Zerfall, Stachelig-Abstoßendes, Härte etc..